Montag, 16. Februar 2015

Ein kleiner China-Ratgeber

Heute habe ich hier mal einen kleinen Ratgeber, mit ein paar nutzvollen Grundlagen, für einen Besuch in Shanghai, oder allgemein China zusammen getragen. Auch wenn man noch nicht mit dem Gedanken spielt einmal nach China zu reisen, ist er immerhin ganz lesenswert.

  •  Diebstähle!: Hier in Shanghai wimmelt es nur so von Dieben und Abzockern. Diese trifft man so gut wie überall, abends an der verlassenen U-Bahn Station oder Mittags an Touristen-Attraktionen. Wichtig ist, dass man immer und überall seine Wertsachen im Blick hat und in Menschen Mengen diese gut fest hält. Wäre nicht das erste Mal, dass ich hier beklaut werde, aber das ist schon ein paar Jahre her. Diesmal ging alles, bis auf ca. 15€, welche wir uns aber wieder zurück ergattern konnten, gut. Des Weiteren gibt es viele Abzocker, die einem durch versteckte Kosten das Geld aus der Tasche versuchen wollen. Darüber gibt es für alle interessierten im Internet unter „China Scam“, teils atemberaubende Stories.
                                                                     Nanjing Lu, Shanghai
  • Die Sprache: Da nicht jeder Tourist fließend chinesisch sprechen kann, ist es durchaus Sinnvoll wenn man sich zumindest die Adresse seines Hotels, oder seiner Wohnung, auf Englisch und in chinesischer Schrift auf einen Zettel schreibt. Diese kann man dann ganz einfach dem Taxifahrer zeigen und man kommt auch immer wieder gut nach Hause.

  • Transit Card: Diese Karte kann in vielen U-Bahn Stationen gekauft und mit Geld geladen werden. Damit kann man dann jede U-Bahn, Busse und sogar auch Taxis bezahlen. Am besten versieht man seine Karte mit einem kleinen Sticker, damit diese nicht vertauscht werden kann.

  • VPN: In China funktionieren ungefähr 80% der uns bekannten Internetseiten nicht! Darum gibt es so genannte kostenpflichtige VPN Server, welche die Server Adresse so verändern, dass man sich virtuell im Ausland befindet und wieder auf alle bekannten Seiten zugreifen kann. Bei einem etwas längeren Aufenthalt in China wird sich sowas auf jeden Fall lohnen. Btw: Viele freie Wifi Netzwerke in den Universitäten verfügen über solche VPN Server, falls man mal unterwegs ist.

  • Essen: Über das Essen in China gibt es viele Mythen. Ich habe in meiner ganzen vorherigen und jetzigen Zeit in Shanghai erst einmal Hunde-Fleisch gesehen und das war unbezahlbar. Also kann man hier, mit ein wenig Vorsicht über die Hygiene, ruhig alles essen oder wenigstens einmal probieren. Die Fahrbahren Schaschlik-Grills auf den Straßen sind günstig und schmecken echt gut und in den meisten Restaurants ist es nicht sehr teuer. Man muss sich nur überlegen wie man etwas bestellt, wenn die komplette Karte in Chinesisch geschrieben und ohne Bilder ist. Den meisten Europäern bekommt das Essen hier nicht sehr gut und daher ist es normal, dass man in den ersten Tagen mit ein paar Magen Problemen zu kämpfen hat.
                                  Keine Thüringer Rostbratwurst, aber als Snack in Ordnung.

                                     Die beste Suppe, die ich jemals gegessen habe! (~1,50€)
  • Handy-Apps: In China nutzen die wenigstens Menschen Whatsapp oder Facebook. Das wird hier alles durch die App „WeChat“ ersetzt. Diese App kombiniert Whatsapp Facebook und Instagram. Auch wenn man am Anfang noch keine Kontakte hat, wird man spätestens abends in der Bar viele neue Freunde, welche alle WeChat nutzen, kennen lernen. Des Weiteren gibt es die App „Pleco“, welche per Handy-Kamera die Chinesische Schrift in zumindest mal Englisch übersetzen kann. So sollte es einem  sogar möglich sein, in einem komplett Chinesisch sprachigem Restaurant etwas bestellen zu können.
                                                              Und, was darf es denn sein?
  • Handeln: Auf den Märkten und in vielen Kaufhäusern gibt es keine festen Preise, hier muss man diese erst noch verhandeln. Darum ist es von Vorteil, wenn man ein paar Zahlen auf Chinesisch verstehen kann. Beim Verhandeln, sollte man sich nicht einschüchtern lassen, hier werden, vor allem auf den Fake-Märkten, oft 300% des letztendlichen Verkaufspreises zuerst genannt. Ein wenig Überblick über die tatsächlichen Kosten eines Artikels kann man sich im Internet beschaffen.

  • Pollution: Jeder hat ja schon gehört, dass es in China sehr viel Smog in den Städten gibt. Teilweise sieht es hier oft sehr bewölkt aus, obwohl es keine Wolken am Himmel gibt. Das liegt dann oft am mangelnden Wind, welcher die vielen Abgase davon weht. Darum ist es ratsam, sich täglich im Internet über die tagesaktuelle „Pollution“ zu informieren. Ausdauer-Sport, sollte hier an der „frischen“ Luft leider sowieso vermieden werden. Oft fallen einem in der Stadt die Leute mit einem Mundschutz auf. Dieser kann hier mittlerweile in jedem Supermarkt gekauft werden.

  • Tagesausflüge: Wenn man genügen Zeit hat, sollte man auch mal einen Ausflug aus der großen Stadt hinaus wagen. Hier kann man sich z.B. im Internet oder ganz einfach am Busbahnhof, viele günstige Tagestouren buchen, welche immer ein Erlebnis wert sind.
f     Ich könnte locker noch stunden lang weiter schreiben, aber fürs erste sollte das mal reichen. Hier gibt es an jeder Ecke etwas neues zu sehen. Das liegt in erster Linie daran, dass in Europa komplett andere Sitten und Lebensweisen herrschen. Darum lohnt es sich immer, sich einfach mal ins Abenteuer zu stürzen und die Eindrücke zu genießen.

Dienstag, 10. Februar 2015

Ein Streifzug durch die Stadt

Heute wollte ich mich zuerst zu einer verlassenen Fabrik in Shanghai begeben. Diese lag in der Moganshan Road, einer Künstlerstraße in der es erlaubt ist Graffitis zu sprühen. Dort angekommen, sah es auf den ersten Blick herunter gekommen und wie in einer Kulisse eines Gangster-Filmes aus.


Davon lässt man sich aber doch wohl nicht abschrecken, denn beim durchqueren der Straße sind mir immer wieder Leute aufgefallen die jedes einzelne Graffiti abfotografieren. Also ist man hier nicht der einzige Tourist. Fast am Ende der Straße angekommen, befand sich ein kleines, offen stehendes Tor, durch welches man endlich die gesuchte Fabrik sehen konnte. Komisch war nur, dass hier direkt hinter dem Tor ein paar Chinesen in einer Wellblech Hütte wohnten. Vor ihrer Haustür hatten diese ein Schild "No Photos" aufgestellt, da sie wahrscheinlich öfters von Touristen gestört werden. Sah alles auch ziemlich Foto reif aus. Einfach am Haus vorbei  und zur Fabrik hin gehen. Da war ich dann auch ganz alleine. Es machte den Eindruck wie auf einer verlassenen Baustelle, überall Müll und Dreck. Die Fabrik an sich war leider verschlossen, allerdings konnte dort ziemlich coole Fotos schießen. Im Vordergrund die alte Fabrik und dahinter riesige Wohnhäuser.




Hier wurde übrigens vom Jahre 1920 bis ca. 1980 von 2500 Mitarbeitern Weizen und Backwaren hergestellt.
Auf dem Rückweg zur U-Bahn konnte ich noch ein paar weitere coole Bilder einfangen.




Da es allmählich dunkel wurde und ich keine weiteren Pläne hatte, beschloss ich mich auf den Weg zu einer der besten Touristen Attraktionen in Shanghai zu machen, dem Bund.
Dieser liegt an der Uferpromenade des Huangpu-Flusses und von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf den neu errichteten Stadtteil Pudong mit seinen riesen Wolkenkratzern.
Hier schaute ich mir dann in aller Ruhe, aber dennoch frierend den Sonnenuntergang an.
Leider werden während der Woche in der Nacht, die Wolkenkratzer nicht so stark beleuchtet, wie am Wochenende. Daher werde ich wohl noch einmal wieder kommen müssen, um auch die volle Lichter Pracht bewundern zu können.






Zum Schluss, schaute ich auf dem Weg zur nächsten U-Bahn Station noch am Yu-Yuan Garden vorbei. Dieser Garten wurde einst von einem hohen Beamten in Shanghai, auf zwei Hektar, für seinen Vater erbaut. Hier sieht alles so aus, wie man sich China und Asien vorstellt und zu dieser Jahreszeit leuchtet hier alles richtig schön.



Damit habe ich erst einmal wieder genug touristische Highlights abgeklappert und ich kam erschöpft zu Hause an.

Montag, 9. Februar 2015

Halbzeit in Shanghai

Hier kommt endlich nochmal ein neuer Beitrag.

Mittlerweile bin ich schon über eine Woche in Shanghai und das bedeutet für mich Halbzeit hier in der Stadt. In neun Tagen, am 18.02. geht’s weiter in den Süden nach Nanning. Dort ist es zum Glück auch endlich mal etwas wärmer. In den letzten Tagen war es hier lediglich um die 2 Grad. Immerhin noch ein wenig mehr als der Durchschnitt in Deutschland, aber trotzdem habe ich es lieber richtig warm.
In den nächsten Tagen soll es dann immerhin auch hier in Shanghai schon mal um die 12 – 15 Grad inklusive Sonnenschein werden. Ich bin mal gespannt.


Viele touristischen Attraktionen habe ich auch diese Woche nicht abgeklappert, da ich sie schon alle in den letzten Jahren oft gesehen habe. Dennoch hatte ich mir mal wieder ein paar lustige Sachen heraus gesucht, welche mehr oder weniger gut funktioniert haben.
Zum einen waren wir am Wochenende natürlich wieder in der Windows Bar, in der am Samstag sogar eine Studenten  Band gespielt hat. Aus diesem Grund wimmelte es dort nur so von anderen Studenten, welche ihre Kameraden unterstützen wollten. Aus allen Ländern der Welt und komischerweise alle ziemlich jung. Als das Konzert zu Ende war, gingen aber auch die meisten der Leute wieder und die Bar war normal gefüllt.
Wir haben unseren Abend wie immer am Billard Tisch verbracht und SECHS Stunden lang, einen nach dem anderen platt gemacht. Genau so platt haben wir uns am nächsten Tag dann aber auch gefühlt und darum fiel dieser etwas ruhiger aus.




Einen Tag später erfuhr Ich, dass es hier in Shanghai teilweise erlaubt ist mit echten Waffen zu schießen. Sogenannte „Shooting Ranges“, wie man sie auch aus den USA kennt. Nur zu viel Hoffnung darf man sich ja hier nie machen. Also haben wir uns mal auf den Weg dorthin gemacht.
Das coole am Shanghai Shooting and Archery Club war, dass dieser mitten in der Stadt in einem alten chinesischen Bunker liegt. Für ca. 13€ durfte man 24 Pfeile mit einem Bogen auf Zielscheiben schießen und 10 Schuss mit einer echten Pistole.


Also ab hinunter in den Bunker, welcher mit seinen 20 cm dicken Stahl-Beton Türen echt cool aussah. Vor allem schön ruhig und kühl war es dort unten. Zuerst ging es ans Bogen schießen, was sich aber nicht wirklich von dem was man auf deutschen „Mittelalter-Festen“ kennt, unterschieden hat. Am nächsten Tag hatte ich immerhin ein wenig Muskelkater im Rücken von der ungewohnten Bewegung :D.



Danach ging es weiter zum Schieß-Stand. Ab hier durften normalerweise immer nur noch zwei Leute auf einmal mit kommen. Vor Ort standen dann zwei, hoffentlich unterwiesene, Chinesen welche einem die Waffe geladen haben. Alle mussten Gehörschutz tragen, aber die zwei Instrukteure fanden das nicht so wichtig und waren mittlerweile bestimmt schon fast taub. Nach dem die Waffe geladen war, wurde diese mit einem Karabiner Haken an einem Metallgestell befestigt, in welchem man diese dann mit der Hand halten konnte. Damit sich ja keiner mit geladener Waffe umdreht und für ein Foto in Pose schmeißt, oder so. Zielen war mit der Hand in diesem Metallkäfig etwas schwer und gewöhnungsbedürftig, aber getroffen haben wir trotzdem alle. Alles in allem war es mal eine außergewöhnliche Erfahrung, welche einem aber durch die teils komischen Sicherheitsvorschriften weit eingeschränkt wurde.


Am nächsten Tag waren wir abends in einem Restaurant mit einer chinesischer Dinner Show essen. Hier gab es neben dem Essen mehrere Auftritte. Das Highlight des Abends waren zwei maskierte Tänzer, welche in Bruchteilen von Sekunden  ihre Masken wechseln konnten. Das sah gut und auch echt verblüffend aus.


Heute war ich dann wieder alleine unterwegs und hatte mir ziemlich coole Sachen vor genommen. Zuerst wollte ich zum Shanghai Racing Circuit fahren, also die Formel Eins Rennstrecke. Diese liegt etwas außerhalb von Shanghai, kann aber neuerdings ganz bequem per U-Bahn erreicht werden. Das wollte ich dann natürlich sofort machen.
Nach 70 Minuten U-Bahn fahren und einem kurzen Fußmarsch bin ich dann endlich an der Rennstrecke angekommen. Gegen meine Erwartungen herrschte hier Menschenleere und alle Tore waren verschlossen. Keine Chance irgendwie herein zu kommen und keine Spur von „Sightseeing Touren“. Schade, dann ist hier während der Woche wohl alles geschlossen.



Immerhin Michael Schumacher gab es im angrenzenden "Garden of champions" zu sehen:


Nach einem kleinen Spaziergang entschied ich mich dann zwei Stationen weiter zur „Shanghai Automobile City“ zu fahren. Hier werden viele Autos für Shanghai produziert, unter anderem Volkswagen. Im Internet hatte ich gelesen, dass es hier Führungen durch das VW-Werk geben soll. Kurze Zeit später am VW-Werk angenommen, stand ich aber dann schon wieder vor verschlossenen Toren..
„Touren werden nur am Wochenende angeboten“. Na toll. Immerhin war das Wetter mit purem Sonnenschein, schön aber kalt. Also wieder ein kurzer Spaziergang am VW-Werk entlang und ab in die U-Bahn Richtung zu Hause.


140 Minuten U-Bahn für ein paar verschlossene Tore zu begutachten.
Vielleicht sollte ich mich für die nächsten Tage mehr auf die richtigen Touristen-Hotspots verlassen, diese haben nämlich mit großer Sicherheit täglich geöffnet.
Abends war ich dann noch ein wenig in der Stadt unterwegs, bis ich nach der ganzen Hin-und-her Fahrerei endgültig zu Hause war.



Morgen werde ich mich zu einer verlassenen Fabrik in Shanghai begeben, welche ganz cool aussehen soll. Falls ich dort dann aber auch vor verschlossenen Toren stehen sollte, nehme ich mir als Plan B die Flusspromenade „The Bund“ vor. Ein hoffentlich erfolgreicher Bericht inklusive Bilder werden auf jeden Fall folgen!
Sonst kann ich sagen, dass es mir in Shanghai ziemlich gut geht. An die Zeitverschiebung habe ich mich mittlerweile auch ganz gut gewöhnt, ausschlafen kann ich hier ja sowieso jeden Tag. Die Preise sind, wenn man sich ein wenig geschickt anstellt, ziemlich niedrig und man kommt mit ein paar Euro am Tag aus. U-Bahn fahren kostet pro Fahrt immer nur ein paar Cent. Gefühlsmäßig merkt man noch gar nichts von Heimweh oder Langeweile, da es hier in so einer riesigen immer etwas zu tun und zu gucken gibt. So erlebt man auf den Wegen durch die Stadt oft die komischsten Sachen. Heute z.B. habe direkt ich vorne an der Straße eine kleine „Werkstatt“ gesehen, in der zwischen sehr viel Müll eine Drehmaschine zu erkennen war, an der der Besitzer wohl den ganzen Tag lang irgendwelche Bauteile dreht und verkauft. Oder wie hier ein "Custom bike" mit extra Ausleger, auf dem Styropor transportiert wird.


Mittlerweile renne ich auch schon genau so träumend und auf mein Handy starrend durch die Straßen und U-Bahn Stationen, wie die Chinesen..


Die Zeit in Australien wird auf jeden Fall anders werden.

Mittlerweile bekomme ich echt coole und interessante Fragen per Facebook und Whatsapp gestellt, freut mich wirklich das die Seite hier von Leuten verfolgt wird. Also weiterhin bei Fragen, Kritik oder sonstigen Anregungen nur zu! "Facebook: Tobias Hluchnik, Whatsapp nur auf Anfrage"

Bis bald!

Mittwoch, 4. Februar 2015

Thames Town

Heute habe ich mir vorgenommen nach Thames Town zu fahren.

Laut Internet, soll das eine Geisterstadt in "Songjiang" einem Außenbezirk im Süd-Westen von Shanghai sein. Das besondere an dieser Stadt ist, dass diese komplett im englischen Stil, also westlich gebaut ist. Dann mal schauen was mich dort erwartet.

Die Luft ist heute ziemlich schlecht, was man schon auf dem ersten Bild aus dem Fenster erkennen kann. Im Gegensatz zu dem gleichen Bild bei meiner Ankunft in Shanghai, auf dem sogar die Sonne schien, ist das hier schwer trüb. Die Pollution-Rate (Luftverschmutzung) lag heute um die 290 rum.
In Deutschland liegt der Grenzwert bei ungefähr 50.
Viele Chinesen tragen aus diesem Grund Staubmasken sobald sie das Haus verlassen.



Nach Thames Town bin ich natürlich wieder mit der U-Bahn gefahren, diesmal 11 Stationen in die entgegen gesetzte Richtung von meiner gestrigen Tour. Nicht umsonst hat Shanghai das zweit größte U-Bahn System nach Peking und ist das am schnellsten wachsende weltweit.
Nach rund 40 Minuten kam ich in Songjian an, hier ist man wirklich aus der Stadt raus.
Kaum Hochhäuser, viel weniger Menschen als in der Innenstadt und weite Wege zu Fuß.

Da Thames Town noch ein Stückchen von der U-Bahn entfernt liegt, entschied ich mich mit dem Bus zu fahren. Busfahrpläne werden hier nur in Chinesisch angezeigt, aber dank Google Maps wusste ich, ob der Bus zumindest in die richtige Richtung fährt. Die Busfahrer fahren hier wie die verrückten.


Dann schien ich endlich angekommen zu sein, doch so wirklich englisch sah das hier noch nicht aus und geisterhaft schon gar nicht. Aber es kann ja immer noch werden dachte ich mir und bin erst einmal quer durch die Stadt gelaufen. Verlassen war es hier auch nicht, da viele der Häuser dort sogar bewohnt aussahen. Viele Leute konnte man auf den Straßen aber nicht sehen. An manchen Ecken war ein wenig mehr los, an manchen weniger. Durch das trübe Wetter und die teils verlassenen Plätze hatte das ganze dort auch schon ein wenig von Endzeit-Stimmung.



Viele Chinesen nutzen die Gegen hier um Hochzeits-Fotos zu schießen. Ist ja auch praktisch, dann hat man sich die Flitterwochen in Europa auch schon gespart.
Eine echte Kirche mit Jesus gab es hier immerhin auch.





Nach 2 Stunden durch die Stadt laufen hat es mir aber auch schon wieder gereicht und ich machte mich auf den Rückweg. Zurück zum Bus, der glücklicherweise fast genau zurück gefahren ist und mit der U-Bahn zurück nach Hause.

Abschließen kann man sagen, dass sich der Trip gelohnt hat, dennoch darf man sich aus den Beschreibungen im Internet nicht zu viel erhoffen. Man kann sich ja auch denken, dass Chinesen nicht einfach so europäische Häuser bauen können ohne die richtigen Steine. War auf jeden Fall mal etwas anderes als die Innenstadt von Shanghai.




Was Harry Potter auf seinem Besen dort verloren hat, weiß ich leider nicht.




Heute ist Mittwoch, dass heißt es ist Ladies Night und für die Chinesen und viele Ausländer hier ein Grund auch mal mitten in der Woche durch die Bars und Discos zu ziehen. Mal sehen was mich dort später noch erwartet.

Dienstag, 3. Februar 2015

Wusong Paotaiwan Wetland Park

Der nächste Tag lief nach der doch länger geratenen Nacht eher ruhig.

Leider musste ich schon um 11 Uhr aufstehen, da wir um 12 Uhr mit ein paar Freunden von meinem Dad zum Badminton verabredet waren. 
Also aus dem Bett krabbeln, kurz fertig machen, Badminton Schläger einpacken und los geht es.

Hier kann man sich in einer Sporthalle, welche normalerweise von einer Schule genutzt wird, Stundenweise einen Teil anmieten. Der Preis beträgt um die 2€ und der Hallenteil kann dann von beliebig vielen Leuten benutzt werden.

Wir wollten mit dem eigenen Auto hinfahren und direkt vor der Halle parken. Die Fahrt dorthin dauerte dann trotz der relativ kurzen Strecke um die 30 Minuten, da wir einen riesen Umweg fahren mussten weil sich wie so oft ein riesen Stau in einer der Straßen zur Halle bildete.
In der Halle angekommen war unser Bereich mit Badminton Netz schon frei und wir konnten sofort los legen.

So zwei Stunden Bewegung taten nach der Nacht ziemlich gut. Viele Chinesen kamen mit ihren Kindern dorthin um mit ihnen ein wenig Sport zu machen. Das sah allerdings meist sehr ernst aus, da die Chinesen immer und überall Leistung zeigen wollen, von Spaß war da wenig Spur. Wir hatten allerding sehr viel Spaß und als wir wieder zu Hause waren, gab es erst einmal eine Dusche und etwas zu Essen in einer Suppenküche neben unserer Wohnung.



Die nächsten Stunden verbrachte ich damit meinen nächsten Tag zu planen.

Es sollte zum „Wusong Paotaiwan Wetland Park“ gehen, welchen ich im Internet gefunden habe.
Dieser Park liegt in Baoshan, einem Außenbezirk im Norden von Shanghai, in den man trotzdem noch bequem per U-Bahn fahren kann.
Der Park befindet sich am Hafengebiet des Yangtze Flusses, auf einem so genannten „Wetland“, was Sumpfgebiet bedeutet. Hier wurden 1937 die vom Meer aus kommenden Flugzeuge im Krieg gegen Japan bekämpft. Die dort ansässigen Navy-Soldaten wurden „Paotaiwan“ genannt. In Gedenken an dieses Szenario wurde nun dieser 120 Hektar große Park errichtet. Also werde ich auf meiner Tour sogar noch etwas Geschichte mitbekommen.

Da während der Woche alle hier zur Arbeit müssen, blieb mir natürlich nichts anderes übrig als mich alleine ins Abenteuer zu stürzen.
Wie geht man also so einen Trip ganz alleine in China an?
Über Google-Maps machte ich zuerst die Location ausfindig um eine genaue Adresse zu bekommen. Nun schaute ich nach U-Bahn Stationen in dieser Nähe und wurde auch direkt fündig.
Über eine ziemlich praktische Handy App „Shanghai Metro“ konnte der Weg per U-Bahn sehr leicht geplant werden.
Hier gibt man einfach seine Station, von welcher aus gestartet werden soll, ein und die App sagt einem wo man um- und aussteigen muss. Dazu gibt es noch eine komplette U-Bahn Karte als Übersicht dazu.
Nun musste ich nur noch den Weg von der U-Bahn Station „Shuichan Rd.“ Zum Wetland Park mit Google Maps planen. Dieser konnte mit ca. 2 Km zu Fuß bewältigt werden.



Am nächsten Tag, habe ich dann mal wieder schön bis 11 Uhr „verschlafen“ und so machte ich mich etwas hektisch auf den Weg. Etwas Geld in die eine Hosentasche, das vollgeladene Handy in die andere und die GoPro in die Jacke.
Die U-Bahn Station liegt hier so gut wie vor der Tür. Ab da rein und die richtige U-Bahn Linie 9 gesucht. Laut App musste ich nach zwei Stationen zur Linie 3 umsteigen, was ich dann auch tat. Der Fußweg zwischen den beiden Linien betrug gefühlte 2 Km und überall sieht man nur Chinesen rumwuseln. Ein bisschen wie in einem großen Ameisennest. Mit der Linie 3 musste ich dann Richtung „Shanghai Railway Station“ fahren.
Nur blöd wenn es noch eine „Shanghai SOUTH Railway Station“ in genau der entgegen gesetzten Richtung gibt. In dem ganzen Durcheinander bin ich natürlich in die falsche Richtung eingestiegen, die Namen sind ja auch fast gleich.
Nach fünf weiteren Stationen ist mir mein Missgeschick dann auch aufgefallen und ich machte mich auf den Weg in die Entgegengesetzte Richtung.


So hatte ich dann noch ganze 25 Stationen vor mir, was um die 70 Minuten dauerte. Also genug Zeit die Chinesen in der U-Bahn zu beobachten.
Die meisten schauen in ihr Handy, welches IMMER ein iPhone oder iPad ist, und der Rest schläft. Ein paar andere glotzen einen an wie als wäre man ein Alien. Also habe ich mich auch einfach in mein Handy vergraben und fast die ganze Fahrt über etwas gespielt. Schadet also nicht wenn man hier in Shanghai ein paar gute Spiele auf dem Handy hat.


In der Innenstadt fährt die U-Bahn meist unterirdisch, aber wenn man dann etwas raus fährt, auch überirdisch. Das macht die Fahrt ein wenig angenehmer, da ich so ungefähr die Hälfte meiner 25 Stationen zusätzlich noch aus dem Fenster gucken konnte. Sonst ist U-Bahn fahren eher langweilig, hin- und wieder kommen kleine, arme Kinder auf Knien durch die Bahn gerutscht und betteln um Geld. Am besten vergräbt man sich dann hier, wie alle anderen Chinesen, auch in sein Handy und beachtet einfach niemanden. Man weiß ja nie was passiert, falls man dann doch sein Geld raus nimmt um ihnen ein wenig zu geben.

Endlich an der Zielstation angekommen, ging ich voller Abenteuerlust aus der Station und musste fest stellen, dass es hier kaum etwas zu sehen gibt.
Alles grau, herunter gekommen und überall Chinesen, welche einen hier im Außenbezirk noch komischer anguckten als in der Stadt. Wann sieht man dort auch schon mal einen Ausländer.
Also schnell Google Maps angeworfen und meinen Weg durch die Straßen zum Park gebahnt. Bei +7 Grad lässt es sich hier ganz gut wandern.




Nach 30 Minuten bin ich dann endlich am Park angekommen und musste fest stellen, dass dieser Menschen leer war, aber dennoch geöffnet hatte.
Mitten in der Woche wollte hier wohl kaum jemand rein. Der Eintritt kostete 10 RMB, was nach dem derzeitigen Kurs um die 1,40€ beträgt.
Die Stille tat, im Gegensatz zu dem ständigen rum gehupe der Autos und dem schreien der Chinesen, mal richtig gut.




So wanderte ich also durch den Park und hab ein paar richtig schöne Ecken sehen können. Wie z.B. einen Wasserfall, an dem leider kein Wasser lief, mit einer Höhle im inneren.



An der Promenade angekommen wurde ich dann mit einem coolen Ausblick für den weiten Weg belohnt.
Man kann sich gar nicht vor stellen wie viele Schiffe dort über den Yangtze fahren.



Auf meinem Weg kam ich danach noch an mehreren alten Luftabwehr-Waffen und Kanonen vorbei, welche aber leider nicht mehr alle original aus dem Krieg waren. Alle waren aufs offene Meer gerichtet.


Es war schon sehr gespenstig, ganz alleine durch einen Park mit teils zugewachsenen Wegen zu wandern.
Hin- und wieder hörte man Leute hinter irgendwelchen Büschen oder es kamen sogar ein paar Chinesen an einem vorbei gejoggt.



Alles in allem war die Idee zu diesem Park zu fahren ein lohnenswerter Alleingang, welchen ich nur weiterempfehlen kann.


Als ich nach 2 Stunden und gefühlten 10 Km Fußmarsch endlich wieder aus der Anlage heraus fand, hätte ich gerne ein Taxi für den Weg zur U-Bahn gehabt. Aber auf den Straßen war alles komplett dicht, da die Abendessen-Zeit eintrat. Hier geht wirklich nichts mehr auf den Straßen und man geht lieber zu Fuß oder nimmt die U-Bahn, welche aber auch brechend voll sein kann.



So lief ich nochmal die kompletten 2 Km zu Fuß zurück und warf mich dann erschöpft in die, zum Glück nicht so volle, U-Bahn Richtung unserer Wohnung. Belohnt wurde ich dort mit einem, durch das viele Laufen entstandenen, Loch in der Socke. Da weiß man was man getan hat.


Man kann oft mit Worten gar nicht beschreiben was hier in China auf den Straßen passiert, darum lasse ich noch ein paar Bilder sprechen.

Da sieht man auch schon einfach mal das Fleisch auf der Straße hängen:


Oder eine professionelle chinesische Metallbauer Werkstatt direkt an der Straße. Hier werden auf dem Bürgersteig Metallgitter für Fenster, zum Schutz vor Einbrechern gebaut.


Hier habe ich sogar schnell noch ein kleines Video des heutigen Tages zusammen geschnitten. Leider ist die Qualität und Framerate nicht so gut geworden.


Mein nächster Trip nach „Thames Town“, einer detailgetreuen Nachbildung einer englischen Stadt, ist für morgen auch schon geplant und der dazugehörige Bericht wird danach sofort folgen.

Somit lege ich mich jetzt erst einmal schlafen.

Gute Nacht!

Viele Grüße gehen auch noch an Steffi und alle meine Freunde raus, mit euch wäre es hier noch viel cooler :)